Allgemein

Brauchen wir die Big Five?

Wir arbeiten so vor uns hin, hier eine Ausstellung, dort ein Beitrag. Es gibt uns noch und wir sind aktiv, manchmal reicht die Zeit nicht für die notwendige Öffentlichkeitsarbeit. Unsere Idee, das Haus der Werte, ist jetzt schon fast fünf Jahre alt. Aber sie lebt noch. Im September arbeiten wir wieder mit unserer Aktion „Ein Platz für Demokratie und Toleranz“. Wir freuen uns darauf und werden hier zur gegebenen Zeit berichten. Wo wir gerade beim Thema dieses Blogs sind: Werte

Werte werden nicht nur in großen Aktionen dargestellt, sie zeigen sich in jedem Augenblick. Und in jedem Augenblick zeigt sich auch, wie Werte sich verändern.

Gesellschaften haben unterschiedliche Wertemodelle. Mich reizt der Gedanke an das lexikalische Modell, aus dem heraus die Big Five entwickelt wurden. Eine sichere Sache? Jedenfalls haben sich zwei Psychologen wirklich was einfallen lassen. Auf den ersten Blick überzeugend. Lasst uns mal einen zweiten Blick riskieren:

Sprache wurde beobachtet, 18.000 Wörter in Gruppen (nach Häufigkeit) aufgeteilt und heraus kamen fünf signifikante Merkmale, die Big Five.

  • Offenheit
  • Gewissenhaftigkeit
  • Extraversion
  • Verträglichkeit
  • emotionale Verletzlichkeit

Inzwischen haben die Big Five sehr viele andere Modelle zur Darstellung der Persönlichkeit abgelöst. Können wir von einer Reduzierung sprechen? Was ist mit anderen Merkmalen wie Toleranz, Empathie, Verantwortung? Werden nicht mehr gemessen, nicht mehr betont und damit auch nicht mehr gebraucht? Das Modell der Big Five sieht so aus, dass die oben genannten Aspekte in ihren individuellen Ausprägungen die Persönlichkeit ausmachen. Schubladendenken hat gewonnen. Dabei hat sich das Modell zum universellen Standardmodell in der Persönlichkeitsforschung entwickelt. Es gilt als „kulturstabil“.

 

Ich glaube, die Big Five sind nicht kulturstabil. Vielmehr können Sie kulturelle Veränderungen verschleiern. Schließlich ändert sich der Wortschatz einer Kultur und ist auch nicht in allen Gruppen gleich. Die Tatsache, dass es um die meist genutzten Begriffe ging, zeigt auch: Die Masse hat recht. Das finde ich besonders bedenklich, denn so haben Wörter wie Demut, Gnade, Liebreiz und viele andere der selten genutzten Wörter kaum mehr eine Chance. Dabei wären gerade die so wichtig, um Werte zu vermitteln. Die Big Five in Personalentscheidungen erschaffen tolle 08/BIG5 Arbeitnehmer. Wohin werden die gedrängt, die besondere, seltene und konstruktive Eigenschaften mitbringen? Sehr auffallend übrigens, dass Eigenverantwortlichkeit und Kreativität nicht dabei sind. Selbstbewusstsein auch nicht. Intelligenz sowieso nicht….

Brave, neue Welt?

(Stefanie Glaschke, 299 Wörter)

 

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