Allgemein

Endlich wehrt sich jemand – das tägliche Dilemma Schule

Wo findet Wertevermittlung statt? Dürfen wir Schule noch als einen Ort sehen, der Persönlichkeitsentwicklung fördert? Eine junge Schülerin aus dem Salzlandkreis hat den Mund aufgemacht. Sie hat sich an die örtliche Presse gewandt und über die Zustände in ihrer Schule berichtet. Selbstverständlich haben Schulleitung und Lehrer alles sofort richtig gestellt. Man könnte meinen, es gäbe gar kein Bildungsdilemma, keinen Unterrichtsausfall und auch keine Probleme mit der Sozialkompetenz an Schulen. Ich erlebe es anders. Ich erlebe Lehrkräfte mit schweren Burnoutstörungen, desorientierte Schüler und verzweifelte Eltern. Und das quer durch die Republik. Es fehlen schon seit langer Zeit die Kompetenz und der Wille, das Thema Schule der Realität in der Gesellschaft anzupassen. Der schwarze Peter wird von einem Platz auf den nächsten geschoben. Sind denn nun die Kultusministerien schuld? oder die Eltern? Vielleicht ja doch die Lehrer? Ich habe Lust, einen Paukenschlag zu tätigen. Denn bei all den Fragen über Schuld und Verantwortung gehen unsere Kinder unter. Die Schuldiskussion erinnert mich an einen Streit zwischen Eltern, die in ihrem Gezanke nicht merken, dass das Kind aus dem Kinderzimmerfenster fällt. Dieses Bild ist die aktuelle Aufnahme, wenn man die Erwachsenen zum Thema Schule/ Bildung belauscht. Es ist traurig und schade, wie sich Lehrer und Eltern mit Politikern gegenseitig Vorwürfe machen, während es bereits Kinder in unserem Land gibt, die in der gesamten Grundschulzeit nicht schreiben lernen. Sind das die neuen Werte der Gesellschaft? Schuld von sich weisen und die Füße hochlegen? Müssten die Beteiligten nicht an einem Strang ziehen? Und sollte dieser Strang nicht heißen: Bildung für jedes Kind auf dem Niveau von EU-Bürgern? Was Spaß macht, ist gut. Was Mühe macht, ist böse und soll unterlassen werden. Das zeigen die vielen Klassenchats und die wenigen Lehrer, die Medienkompetenz vermitteln können. Auf den Smartphones der Mitschüler können Kinder heute jugendgefährdende Videos sehen. Eltern würden dafür bestraft werden. Lehrer dagegen zucken nur mit den Schultern. Wenn wir unseren Kindern nichts besseres zu bieten haben, haben wir sie eigentlich gar nicht verdient. An dieser Stelle ein ganz herzliches Dankeschön an die mutige Schülerin, die den Wert der Aufrichtigkeit gelebt hat, indem sie sich zu Wort meldete. Hoffentlich trifft sie auf würdige Erwachsene. Und uns anderen wünsche ich eine Solidarität zwischen Eltern, Schülern und Lehrern, eine Solidarität mit dem gemeinsamen Ziel Bildung.

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Betrachtungen

Über die Motivation, zu demonstrieren

Gestern war es endlich so weit. Die Installation mit 50 Stühlen war aufgestellt und wurde den BürgerInnen der Stadt Aschersleben präsentiert. Jetzt können sie lustwandelnd betrachten, was die Kinder und Jugendlichen gefertigt haben. Außerdem haben die Stühle etwas zu erzählen. Die meisten tragen Zitate zu den Themen „Demokratie“ und „Toleranz“.

Es gab ein recht großes Medieninteresse, mdr, saw und auch die MZ waren vor Ort. Gut, dass Musik und Punsch ein wenig zum Verweilen einluden. Besonders schön war zu sehen, dass auch Lehrer, Lokalpolitiker und der OB sich die Sache einmal aus der Nähe anschauen wollten.

In den vielen Gesprächen wurde deutlich, wo es hakt mit den Werten. Diese Installation ist ein Zeichen für etwas. Sie ist nicht gegen etwas gerichtet. Die Stühle weisen nur auf positive Werte hin und prangern keine Missstände an. Das macht sie schon fast uninteressant. Es fehlt der Grund für diese Aktion. Doch hier muss der Hebel angesetzt werden. Ein Grund zur Bewegung, eine Motivation muss und darf nicht immer Gegenwehr sein. Es gilt, das Gute zu bewahren, wenn es vorhanden ist. Es ist wichtig, zu halten und zu pflegen, was Bedeutung hat. Nicht nur die Demonstration gegen Billiglöhne, Rechtextremismus und Krieg sind sinnvolle Handlungen. Sie entbehren der Weisheit. Sicher, der Protest, das klare NEIN zu Umständen, die nicht gewollt und menschenfeindlich sind, ist wichtig. Doch dieser Protest wäre weniger notwendig, wenn auch ein klares JA geäußert würde. Wir sollten wieder lernen konstruktiv zu denken und zu handeln. Die Verneinung mag kraftvoll sein, doch kraftvoller sind das aktive Leben und Zeigen dessen, was gut ist. Schließlich gilt: Worauf ich meine Aufmerksamkeit richte, das wächst. Hier knüpft die Stuhlinstallation an. Wir zeigen, was wir wollen. Wir zeigen, dass Raum für Demokratie und Toleranz vorhanden sind. Und das jetzt, bevor es zu spät ist. Wo Demokratie und Toleranz einen Platz einnehmen, ist für Kriegtreiberei, Propaganda und Feindbilddenken kein Raum.

Wir wollen weiter demonstrieren, für Demokratie und Toleranz. Wir arbeiten mit Museen, Schulen, Unternehmen und Kirchengemeinden zusammen. Aber auch Privatleute können das Programm unterstützen bzw. in Anspruch nehmen. Eine kurze Nachricht reicht, um weitere Infos zu erhalten.

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