Betrachtungen

Frieden und Sicherheit? Betrachtung eines Friedenslaien

Frieden und Sicherheit?

Morgen, am 6. November, ist der internationale Tag für die Verhütung der Ausbeutung der Umwelt in Kriegen und bewaffneten Konflikten, den die Uno 2001 festgelegt hat. Die Bezeichnung des Aktionstages macht mich stutzig. Es geht also darum, die Folgeschäden eines Krieges zu minimieren. Vielleicht bin ich naiv, aber Krieg kann für mich nicht mehr oder weniger schlimm sein. Krieg ist Krieg und daher sollte er vermieden werden. Manche behaupten, Sicherheit sei eine Voraussetzung für Frieden. Stimmt das? Ich bin weder Friedensforscherin noch Militärsachverständige, aber ich glaube, Frieden und Sicherheit bedingen sich auf eine andere Art. Nicht die Sicherheit schafft den Frieden, der Frieden schafft die Sicherheit. Wo Sicherheit aufgebaut werden soll, ist Angst die grundlegende Motivation. Eine solche Motivation führt zu verkrampften Handlungen. Wer Angst hat, hat eine gestörte und geschlossene Haltung sich selbst und der Umwelt gegenüber. Er wird sich bewaffnen, um sich zu beschützen. Diese äußere Handlung kennen wir aus Zeiten des kalten Kriegs und erleben sie gerade wieder. Innerlich unterstellt der ängstliche, dass andere Menschen gefährlich und damit negativ bewertet sind. Damit entsteht ein negatives Weltbild. Das eigene Leben wird als bedroht gesehen, das lässt Aggressionen wachsen. So kann vielleicht eine vorgetäuschte Sicherheit entstehen, aber kein Frieden. Denn zum Frieden gehört ein Weltbild, das von Toleranz und Wohlwollen geprägt ist. Angst ist ein schlechter Ratgeber. Sicherheit ist kein Weg zum Frieden. Der Frieden, der durch Sicherheit entsteht, ist nur eine Ruhephase in einer Situation der Grundbedrohung. So kann man nicht friedvoll zusammen leben. Wenn wir aber die Konditionen umdrehen, sieht es schon anders aus. Wenn wir zuerst den Frieden schaffen, dann entsteht Sicherheit. Echte Sicherheit, in der niemand sich bewaffnen will, weil er ein positives Weltbild hat. Jetzt sagen Kritiker: Aber es gibt immer wieder schlechte Menschen. Ja, das stimmt, doch noch sind sie in jedem Fall die Ausnahme. Wenn wir bedenken, dass 2013 etwa 6 Millionen Straftaten in der Bundesrepublik registriert waren, dann hört sich das zuerst schlimm an. Doch zu diesen Straftaten gehören auch Delikte wie Versicherungsbetrug, Schwarzarbeit und Vergehen gegen die öffentliche Ordnung. Wir leben nicht in einer gefährlichen Welt, wie uns immer wieder eingeredet wird. Sicher kann jeder von uns angegriffen werden, doch sind die Chancen ausgesprochen gering. Ebenso können Natur- und Umweltkatastrophen unser Leben bedrohen, verletzen oder beenden. Hiergegen wird nicht an Sicherheit aufgerüstet. Risiko gehört zum Leben. Dieses Schicksal teilen die Menschen mit allen anderen Lebewesen und das ist durch nichts zu verhindern. Die Angst um den Verlust des eigenen Lebens oder Besitzes ist oft eine vorgeschobene Angst. Wie viele fürchten in Wahrheit nur die Angst vor Veränderung. Das Risiko einer Erkrankung, eines Verkehrsunfalls oder einer seelischen Verletzung wird ebenfalls nicht so hoch gewertet wie das eine Angriffs durch einen gefährlichen Artgenossen. Warum nicht? Weil es immer so schön eindimensional und einfach ist, die Gefahr auf andere zu projizieren. Chemie im Essen ist eben nicht sichtbar, die Klimakatastrophe will man nicht wahrhaben. Um wirklich sicher zu sein, müsste man sein eigenes Leben umstellen, einfach anders leben, essen, arbeiten als bisher. Doch die Risiken des Gewohnten nimmt man gern in Kauf. Schließlich haben es ja alle so gemacht. Dann lieber eine Knarre im Nachtschrank, falls mal ein Mörder vorbeikommt. Lebte der einzelne Mensch im Frieden mit sich selbst, bräuchte er nicht jedem anderen eine Kriegsabsicht zu unterstellen. Das gilt auch für Völker und Staaten. Zurück zum Aktionstag am 6. November. Warum befassen wir uns mit den Folgen eines Krieges, statt mit seinen Ursachen? Wir sollten Frieden schaffen, damit Sicherheit herrscht. Es gibt nicht viele Menschen, die in Frieden ihre Kinder aufziehen, gesund leben und ihr Glück finden könnten und dennoch lieber zu den Waffen greifen würden. Schaffen wir Frieden, dann sind Aktionstage wie der morgige überflüssig.

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