Betrachtungen

Können wir überhaupt noch netzwerken?

Es gibt viele von uns. Viele Akteure, Künstler, Autoren und Denker, die sich mit den Werten befassen und sie erhalten wollen. Doch wir alle leben in der gleichen Welt. Wir leben in der Diktatur des Materiellen, unsere Zielgruppe sind Menschen aus dieser Welt und die Bedingungen sind denkbar schlecht. Die fehlende Werteerziehung und Werteorientierung macht denen zu schaffen, die auf Freiheit, Demokratie und Menschlichkeit setzen. Können wir unsere eigenen angestrebten Werte in dieser Welt eigentlich noch leben? Derzeit ziehen wir von unserem Standort in Alsleben aus, um mit der Ausstellung „Ein Platz für Demokratie und Toleranz“ ein Zeichen für Werte zu setzen. Es ist ganz einfach. Kinder und Jugendlich werden für einige Stunden vom PC gelockt und befassen sich mit den großen Dichtern und Denkern, die unsere Kultur geprägt haben. Das Ergebnis wird im Upcycling-Verfahren präsentiert. Danach können Erwachsene die Arbeit der jungen Akteure bewundern und für ihre eigene Werteorientierung nutzen. Das ist der eine Teil der Aktion. Der andere Teil ist ebenso leicht. Für die Idee und die eingesetzte Zeit müssen wir so entschädigt werden, dass wir leben können. Aber es hakt. Wir würden überall gratis arbeiten, nur um dieses Zeichen zu setzen. Das wäre aber indirekt verboten, denn dann könnten wir unsere Rechnungen nicht bezahlen. Arbeiten wir aber gegen Bezahlung, haben wir die Grenzen zu beachten. Die Grenzen des Marktes, Grenzen einer künstlichen Institution, die nur dazu dient, ein Zahlensystem aufrecht zu halten. Und schlussendlich ist das Ziel dieses Systems, dass einige wenige Menschen ihr Geld mehren. Wir müssen also so arbeiten, dass andere Menschen ausreichend Papierscheinchen und Metallstückchen bekommen. Das ist unsere Eintrittskarte. Ohne diese Eintrittskarte spielen wir nicht mit. Ich bin überzeugt von der Notwendigkeit und dem hohen menschlichen Nutzen dieser Aktion. Doch diese Aktion bringt keinen materiellen Mehrwert. Der Wert ist ideell. Die Menschen denken, fühlen, reflektieren. Als Ergebnis gibt es kein Auto und keine Edelklamotte sondern Menschlichkeit. Wir arbeiten also nicht für Status sondern für eine (Ein-)Stellung. Und das ist schwer. Wem geht es ebenso? Wer kann sich Kooperationen vorstellen? Wer mag dieser Aktion dazu verhelfen, möglichst oft durchgeführt zu werden? Wer lädt den Workshop zu sich ein oder vielleicht auch einen Vortrag oder die Ausstellung? Und wofür? Gegen Provisionen, wie es innerhalb dieser Realität üblich ist? Oder im Tausch gegen etwas anderes, wichtiges? Diese Fragen und Aufgaben werden dazu führen, das Aktionen mit ideellem Wert verschwinden und die Kunst sich kommerzialisiert. Das ist schon weitgehend geschehen, wir merken es an Computermusik und Plastikbildern. Aber es darf nicht geschehen. Kunst entwickelt sich und Kunst entwickelt eine Gesellschaft. Kunst muss unbedingt frei sein von materiellem Druck. Deshalb brauchen Künstler kein Netzwerk zur Vermarktung sondern ein Netzwerk der Solidarität. Wir brauchen eine Bewegung, die präsent ist. Ich denke seit vielen Wochen darüber nach. Deshalb gibt es das Haus der Werte. Wir brauchen Raum und so viel Wirkung wie die Wirtschaft sie hat. Haben wir die Kraft? Wir kann das gehen? Wer wie ich diese Vision nicht aufgeben will, darf sich gern bei mir melden. Ich bin überzeugt, dass wir von Monsato und Nestlé und all den anderen lernen sollten. Wir sollten uns zu einem einzigen großen Organismus verbinden. Und wenn die Künstler sich nicht mehr billig einkaufen lassen, dann wird der Wert ihrer Arbeit wieder so sein, wie es sich gehört. Wer einen Künstler nicht wertschätzen will, der sollte ihn auch nicht nutzen. Wir sind überall. In jedem Werbeprospekt, auf Events für Autohäuser etc. Wir werden genutzt, zur Profilpflege und als Beruhigung für das soziale Gewissen. Was würde passieren, wenn die Geldwelt auf uns verzichten müsste? Würden ihre Kunden noch so fleißig Weihnachtseinkäufe machen, wenn unsere kunstvollen Fotos, Designs und Dekorationen nicht mehr da wären? Wenn die Geldwirtschaft mit dem werben müsste, was sie selbst kann, mit Geld nämlich? Wer nicht geschätzt wird, hat kein Selbstwertgefühl. Das ist eine Tatsache, der sich alle stellen müssen, die wertvolle Arbeit für schlechte Bezahlung machen. Diese Morgengedanken sind nicht lange überarbeitet worden aber ich freue mich auf eine rege Diskussion. Und zum Schluss: Ich bin immer wieder erstaunt, dass so viele Rechtschreibprüfungen der verschiedenen PC-Programme Wörter wie „Werteorientierung“ oder „Wertebildung“ nicht kennen 😉

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Allgemein

Austellungseröffnung und Tourbeginn

Endlich geschafft! Das Projekt „Ein Platz für Demokratie und Toleranz“, das im Haus der Werte entwickelt wurde, wird mit seinen ersten Ergebnissen am 1. Dezember 2014 in der kleinen Stadt Aschersleben ausgestellt. Gleichzeitg geht das Projekt jetzt auf Tour. Im Februar startet die Reise mit der Station Kitzingen (Bayern). Dort werden Vorträge und ein Workshop die Ausstellung begleiten. Selbstverständlich gibt es wieder neue Stühle mit neuen Zitaten. Wer für seine Institution diese Ausstellung mieten oder kaufen möchte, einen Workshop buchen oder einen Vortrag bestellen will, kann sich gern die Informationsmappe mit den aktuellen Angeboten und Preisen bestellen. Hier jetzt einige Fotos und wer weiß, vielleicht sehen wir uns in der Herrenbreite in Aschersleben, 1.12.2014, 15 Uhr

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Wir suchen übrigens verzweifelt nach alten Holzstühlen, die uns für dieses Upcycling-Projekt gespendet werden können.

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Upcycling

Upcycling von Polsterstoffresten

Wer seine Sitzöbel nicht einfach wegwirft sondern mit neuen Polsterungen und Bezügen aufarbeitet, hat immer wieder Stoffreste übrig. Aus Polsterstoffen lassen sich aber keine Kleider oder ähnliches nähen.

Stabile Taschen in allen Größen und Formen sind dankbare Modelle für die festen Stoffe, die wenig nachgeben und auch nicht besonders geschmeidig sind. Hier ein Beispiel für eine Schultertasche im Patchworkstil, mit Außentasche, Applikation und anderen liebevollen Details.

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Für Fragen wenden Sie sich per Mail gern an mich 

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Betrachtungen

Frieden und Sicherheit? Betrachtung eines Friedenslaien

Frieden und Sicherheit?

Morgen, am 6. November, ist der internationale Tag für die Verhütung der Ausbeutung der Umwelt in Kriegen und bewaffneten Konflikten, den die Uno 2001 festgelegt hat. Die Bezeichnung des Aktionstages macht mich stutzig. Es geht also darum, die Folgeschäden eines Krieges zu minimieren. Vielleicht bin ich naiv, aber Krieg kann für mich nicht mehr oder weniger schlimm sein. Krieg ist Krieg und daher sollte er vermieden werden. Manche behaupten, Sicherheit sei eine Voraussetzung für Frieden. Stimmt das? Ich bin weder Friedensforscherin noch Militärsachverständige, aber ich glaube, Frieden und Sicherheit bedingen sich auf eine andere Art. Nicht die Sicherheit schafft den Frieden, der Frieden schafft die Sicherheit. Wo Sicherheit aufgebaut werden soll, ist Angst die grundlegende Motivation. Eine solche Motivation führt zu verkrampften Handlungen. Wer Angst hat, hat eine gestörte und geschlossene Haltung sich selbst und der Umwelt gegenüber. Er wird sich bewaffnen, um sich zu beschützen. Diese äußere Handlung kennen wir aus Zeiten des kalten Kriegs und erleben sie gerade wieder. Innerlich unterstellt der ängstliche, dass andere Menschen gefährlich und damit negativ bewertet sind. Damit entsteht ein negatives Weltbild. Das eigene Leben wird als bedroht gesehen, das lässt Aggressionen wachsen. So kann vielleicht eine vorgetäuschte Sicherheit entstehen, aber kein Frieden. Denn zum Frieden gehört ein Weltbild, das von Toleranz und Wohlwollen geprägt ist. Angst ist ein schlechter Ratgeber. Sicherheit ist kein Weg zum Frieden. Der Frieden, der durch Sicherheit entsteht, ist nur eine Ruhephase in einer Situation der Grundbedrohung. So kann man nicht friedvoll zusammen leben. Wenn wir aber die Konditionen umdrehen, sieht es schon anders aus. Wenn wir zuerst den Frieden schaffen, dann entsteht Sicherheit. Echte Sicherheit, in der niemand sich bewaffnen will, weil er ein positives Weltbild hat. Jetzt sagen Kritiker: Aber es gibt immer wieder schlechte Menschen. Ja, das stimmt, doch noch sind sie in jedem Fall die Ausnahme. Wenn wir bedenken, dass 2013 etwa 6 Millionen Straftaten in der Bundesrepublik registriert waren, dann hört sich das zuerst schlimm an. Doch zu diesen Straftaten gehören auch Delikte wie Versicherungsbetrug, Schwarzarbeit und Vergehen gegen die öffentliche Ordnung. Wir leben nicht in einer gefährlichen Welt, wie uns immer wieder eingeredet wird. Sicher kann jeder von uns angegriffen werden, doch sind die Chancen ausgesprochen gering. Ebenso können Natur- und Umweltkatastrophen unser Leben bedrohen, verletzen oder beenden. Hiergegen wird nicht an Sicherheit aufgerüstet. Risiko gehört zum Leben. Dieses Schicksal teilen die Menschen mit allen anderen Lebewesen und das ist durch nichts zu verhindern. Die Angst um den Verlust des eigenen Lebens oder Besitzes ist oft eine vorgeschobene Angst. Wie viele fürchten in Wahrheit nur die Angst vor Veränderung. Das Risiko einer Erkrankung, eines Verkehrsunfalls oder einer seelischen Verletzung wird ebenfalls nicht so hoch gewertet wie das eine Angriffs durch einen gefährlichen Artgenossen. Warum nicht? Weil es immer so schön eindimensional und einfach ist, die Gefahr auf andere zu projizieren. Chemie im Essen ist eben nicht sichtbar, die Klimakatastrophe will man nicht wahrhaben. Um wirklich sicher zu sein, müsste man sein eigenes Leben umstellen, einfach anders leben, essen, arbeiten als bisher. Doch die Risiken des Gewohnten nimmt man gern in Kauf. Schließlich haben es ja alle so gemacht. Dann lieber eine Knarre im Nachtschrank, falls mal ein Mörder vorbeikommt. Lebte der einzelne Mensch im Frieden mit sich selbst, bräuchte er nicht jedem anderen eine Kriegsabsicht zu unterstellen. Das gilt auch für Völker und Staaten. Zurück zum Aktionstag am 6. November. Warum befassen wir uns mit den Folgen eines Krieges, statt mit seinen Ursachen? Wir sollten Frieden schaffen, damit Sicherheit herrscht. Es gibt nicht viele Menschen, die in Frieden ihre Kinder aufziehen, gesund leben und ihr Glück finden könnten und dennoch lieber zu den Waffen greifen würden. Schaffen wir Frieden, dann sind Aktionstage wie der morgige überflüssig.

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